Kaffeesolidarität

Der Mann trinkt Kaffee in einer Cafeteria eines Universitätsinstitutes. Er könnte vom Alter her der Vater der Studenten sein, die an den Tischen sitzen, lesen, in Milch schnorcheln, sich aufgeregt austauschen.
Sein Tisch bleibt leer.
Manchmal blickt ein von seinen Kommilitonen gelangweiltes Mädchen herüber, mustert den Mann.
Ein Professor ist es nicht, denkt das Mädchen. Ein Techniker aus dem Haus auch nicht. Vielleicht hat er sich verirrt.
Der Mann nimmt keinen Kontakt auf, blickt ins Weite. Er hebt die Tasse langsam, gemächlich. Er ist nicht alt, doch alt im Vergleich.
Das Mädchen schaut wieder zu ihrem Nachbarn. Der hatte es angestossen. 
He, hörst du zu, das ist doch Wahnsinn, sagt er laut. Das Mädchen nickt und senkt den Blick.
Gleich wird es wieder schauen, denkt der Mann. Er setzt die Tasse wieder ab. Hält den Schluck noch im Mund, schiebt ihn hin und her.
Jetzt schaut das Mädchen wieder.
Der Mann spürt die Blicke auf seinem Gesicht. Er behält es neutral. Er schaut nicht hin. Dann stützt er seinen Kopf in seine Hand. Du bist doch dabei, oder?, hört er den Jungen mit lauter Stimme fordern.
Das Mädchen denkt nach. 
Was gibt es da zu denken?, insistiert der Junge. Diesen Schweinen müssen wir es zeigen, ein für allemal, du bist doch dabei, oder?
Der Mann lächelt, noch bevor das Mädchen nicken kann.
Dann nimmt er wieder einen Schluck.
Viele Kaffees hat er schon in seinem Leben getrunken. Der Kaffee schmeckt ihm immer wieder anders, und doch immer wieder gleich.

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