Einmal Glück und zurück

Der Mann sitzt in der Unimensa. Vom Alter her könnte er der Vater der Studierenden sein. Von der sozialen Stellung her unterscheidet er sich hingegen kaum von ihnen. Er ist voller grosser Träume, weiss, dass sein grosses Glück bald kommen wird und hat kaum Geld im Sack. Daher sitzt er dort. Er will mal wieder seinen Magen füllen.
Zwei Tischreihen weiter sitzt eine Studentin mit schulterlangem Schneewittchenhaar. Sie flirtet mit dem Mann, tatsächlich. Elegant streift sie mit ihren Porzellanhänden durch die Haarpracht, wirft sie auf, so dass sie wie ein Hermelinmantel über die Schultern fallen. Sie öffnet den Mund dabei voll Sehnsucht, schaut hin zum Mann, ob er auch sieht.
Der Mann ist überrascht von den Signalen, vom Blinzeln der Augen wie denen von Bambi. Wie die junge Frau ihren Körper scheinbar absichtslos biegt, damit sie zwischen den Reihen hindurch zu ihm blicken kann.
„Was willst du von mir?“, fragt sich der Mann.
Die Frau antwortet nicht und antwortet doch deutlich. Blickt zu ihm hin, dann ab, dann schon wieder auf.
„Ich bin kein Professor“, lächelt der Mann. „Bei mir ist nichts zu holen.“ Er sollte die Schultern heben und den Kopf leise schütteln, doch er lächelt nur. Er will den Zauber noch nicht brechen.
Die junge Frau plaudert wieder mit ihren Kolleginnen, lacht mit, und blickt wieder her, ob er ja gesehen habe, wie ihre Lippen tanzen.
Der Mann kann nicht anders. Sein Blick bleibt auf dem Mädchen haften. Er schaut interessiert.
Die junge Frau merkt es, errötet leicht, lächelt jetzt als wie beschämt und schaut dennoch bewusst von Neuem.
Jetzt will der Mann auch lächeln. Ein solches Glück erregt und macht stolz zugleich.
Die Frau schielt nun - irgendwie. Ihr Blick schiesst scharf am Mann vorbei und bewegt sich immer weiter weg vom Kopf des Mannes, zielt hinter ihn, neben ihn, direkt auf den jungen Athleten, der hinter dem Mann gesessen war und jetzt aufgestanden ist.
Selbstbewusst, mit leicht arrogantem Lächeln schiebt dieser Adonis seine Jugend hin zu dieser Frau. Er hat sie fest im Griff.
Deren Bäckchen beginnen zu glühen, die Augen weiten sich. Hastig stösst sie ihre Nachbarin an, Achtung, er kommt. Jetzt! Was soll ich tun?

Dem Mann indes fällt sein dummes Lächeln in die braune Sosse vom Gehackten. Dort liegt es verschmutzt verdreckt und schaut ihn bitter an.



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