Unter Wasser leben


Der Mann hat sich ausgeklinkt. Er ist müde, erschöpft und melancholischer als je. Keine Energie für nichts mehr. Nicht für heute, nicht für morgen.
Er sitzt in der Küche auf einem Stuhl, in den er gefallen war nach all der schweren Arbeit. Er denkt nichts, sieht nichts, ein toter Frosch auf einem Stein. Die Augen schauen blass ins Nichts.
Zwei Stunden und viele Minuten dauert es, bis er sich wieder spürt, sich wieder bewegen kann. Er steht in Zeitlupe auf, bringt seinen traurigen Körper nur mit Mühe auf die Beine, ein Nilpferd auf dem Trockenen.
Der Mann schiebt sich auf den Balkon. Dort findet er ein Stückchen Platz für sich und seine Seele. Er streckt alle Glieder von sich, wie ein Seestern.

Ein Seesterlein.

Unter Wasser fühlt der Mann sich leicht. Einfach sein dürfen. Einfach alles fliessen lassen können. Einfach sein im Moment. Was braucht es mehr?

Der Mann denkt nach.

Vielleicht Glück, Liebe, Hoffnung, Zuneigung, Zärtlichkeit, Gemeinsamkeit?
 
Ein Moment Gelassenheit? 






















"Gefallen dir diese Geschichten? Dann vernetzte dich mit diesem Blog. Bitte sende den Link auch an deine Freunde, damit auch sie Teil dieser Bloggemeinschaft werden können."

Von den wichtigen Dingen

Der Mann sitzt in seiner Wohnung und schaut sich um. Er sieht eine völlig zugestellte Wohnung. Viel zu viele Dinge haben sich angehäuft in den letzten Jahren.
Zwar besitzt er nur wenig Möbel, aber trotzdem ist seine Wohnung überfüllt. Schränke und Gestelle und Kisten drängen in den Raum, machen die kleine Wohnung noch enger. Oben tragen die überquellenden Büchergestelle alle Hauben aus kleinen Büchsen, übergrossen Büchern, Boxen mit irgendwas und jeglichem Krimskrams. Auch an den Seiten der Schränke wuchert mehr oder weniger wichtiges Material. Pantoffeln, kaputte Klappstühle, Elektroschrott, Stapel von Altpapier, alte Schachteln, neue Kartons.
Der Arbeitstisch ist übersät mit Manuskripten, Zeichnungen, Stiften, unzähligen Kabeln. Kabeln hin zur Lampe, Verbindungsstränge vom Drucker zum Computer, vom Scanner, der Kamera.
Socken liegen auch herum. Die von gestern liegen neben dem Sofa, die von vorgestern unter dem Bistrotisch.
Der Mann weiss, er müsste endlich Klar Schiff machen. Müsste aufräumen und alte Dinge wegwerfen. Sich von längst Vergangenem endlich trennen.
Der Mann ist sich bewusst, dass das viel Arbeit sein wird. Heute will er damit nicht mehr beginnen.

Er geht zu Bett.

Im Schlafzimmer steht das einzige Möbelstück, das er akribisch frei von Dingen hält. Sein Doppelbett. Es steht gross und mächtig im Schlafzimmer und ist doch praktisch leer. Nur ein kleines weisses Kissen liegt auf dem blauen Bettzeug. Ein Schiffchen im grossen Meer.
In dieses Bett versinkt der Mann, wenn ihm die Welt der Dinge zu viel ist. Er schiebt sich in die Fläche wie ein Schwimmer in die spiegelglatte See.
Dann schwebt er und schläft ein und füllt das Bett mit seinen unendlichen Träumen.

So vielen Dingen.

So viel vergangner Zeit.




























"Gefallen dir diese Geschichten? Dann bitte informiere deine Freunde über diesen Blog und klicke den Facebook-Knopf an. Danke."

Das Leben ist gut mit Anna Rossinelli

Der Mann hat sich ins Leben zurückgekämpft, mit Medikamenten, mit Yoga, mit zu sich selber schauen.

Irgendwie.

„Du siehst besser aus“, sagt ihm ein Freund.
„Wirklich?“. Der Mann bleibt skeptisch.
„Ja, schon. Das letzte Mal sahst du wirklich schlecht aus.“
Da ging es mir auch wirklich mies, geht es dem Mann durch den Kopf. Ich war am Boden zerstört, meine Nerven waren zerrissen.
„Jetzt siehst du besser aus.“
Besser?, fragt sich der Mann. Besser als das letzte Mal, durchaus. Aber das heisst nicht, dass es ihm gut geht. Wenn man am Boden zerschmettert liegt, kann es eh nur aufwärts gehen. Unser Mann antwortet daher seinem Freund: „Es geht mir momentan leicht besser, in der Tat. Aber ich bin noch nicht über den Berg.
„Wer ist das jemals?“
„Ich glaube, dass es viele Leute gibt, denen es gut geht.“
„Das scheint oft nur so. Unser Leben gleicht der Reise eines Wandrers in der Nacht. Jeder hat in seinem Gleise, etwas, was ihm Kummer macht.“
„Das kenne ich“, macht der Mann die Augen auf, „das ist das Beresina-Lied. Das Lied der alten Schweizer.“
Der Freund des Mannes schmunzelt und beginnt das melancholische Lied leise zu singen. „Un … ser … Leheben … gleicht … der … Reheise…
Der Mann summt mit. Ja. Das Leben kann schwer sein, besonders als Schweizer Söldner im Russlandfeldzug von Napoléon. Schwere Rückzugsgefechte in tiefstem Winter. Eine letzte Verteidigungslinie an der Beresina. Die Schweizer bauten eine Notbrücke im eisigen Fluss.
„Die armen Schweine“, sagt der Mann. „Ersoffen im eisigen Wasser. Und wer zurückblieb, erfror oder wurde erschossen.
„Nur drei Prozent kamen zurück.“
„Ja, ich weiss, was du meinst.“ Der Mann nickt. „Glück ist immer relativ.“
„Und vergänglich.“
Der Mann stimmt zu.
Dann geht ihm eine andere Melodie durch den Kopf. Eine moderne Melodie. Es ist das Lied von Anna Rossinelli, das sie am Eurovision Song Contest gesungen hatte. Eine fröhliche Melodie.

Life is good …


… for a while. 
























copyright by Anna Rossinelli (www.annarossinellimusic.com)



 

"Gefallen dir diese Geschichten? Dann bitte klicke auf den Facebook-Knopf um auch deine Freunde über diesen Blog zu informieren"

Schlafen oder Schreiben?


Der Mann liegt erschöpft im Bett, aber der Schlaf will nicht kommen. Es ist weit nach Mitternacht. Yogaübungen hat er schon gemacht, ein halbes Melatonin schon geschluckt. Doch die schwarze Decke, die ihn sonst immer stärker einhüllt, bleibt fern.
„Bleib nur ruhig. Irgendwann schläfst du ein“, spricht er zu sich ohne Worte.
„Ja, ich lass es einfach sein“, antwortet er sich selbst.
„Nur ruhig.“
„Ja.“
Er atmet langsam aus. „Ruuhhiiiig.“

Zehn Minuten später dreht er sich wieder. Vielleicht gelingt es auf dieser Seite. „Ruuhhiiiig“, murmelt er.
Dann. „Ah, verdammt“. Er dreht sich wieder. „Ich bin nicht ruhig“, stellt er ernüchtert fest
„Das bist du wirklich nicht.“
„Ich bin erschöpft, müde, krank.“
„Kaputt!“
„Trotzdem. Morgen muss ich funktionieren.“
„Dringend.“
„Mehr als dringend. Ich muss schaffen, schaffen. Den Auftrag, den ich morgen unbedingt machen muss, hab ich viel zu lange vor mir hergeschoben.“
„Ja, aber du warst krank.“
„Krank?“
„Ja, völlig erschöpft. Hast du den Nervenzusammenbruch schon vergessen?“
„Nein, aber morgen muss ich schaffen.“
„Daher musst du jetzt endlich schlafen. Unbedingt.“
„Damit ich schaffen und Geld verdienen kann.“
„Ja, schaffen, Geld reinholen, überleben.“
„Ohne Geld bin ich bald tot.“
„Geld reinholen.“
„Um zu überleben.“
"Geld, Geld, Geld."
"Geld, Geld, Geld."

Der Mann ruckt auf.

Das wäre eine schöne Geschichte, denkt er. Ein Mann, der dringend arbeiten muss um zu leben, aber was tut er. Er denkt nur an seine Kunst, an seine Geschichten. Er schreibt und schreibt und schreibt und verreckt dabei. Was soll der Mann also tun?

Schlafen oder Schreiben?


Was hätte Bukowski wohl getan?




















"Gefallen dir diese Geschichten? Dann vernetzte dich mit diesem Blog. Bitte sende den Link auch an deine Freunde, damit auch sie Teil dieser Bloggemeinschaft werden können."

Männerkörper


Der Mann kennt seinen Körper gut. Er versteht seine Mitteilungen, die Hinweise auf Stress und Überanstrengung.
Kürzlich war es wieder so weit. Aus dem Nichts heraus zitterten dem Mann die Hände. Das war der Auslöser genauer hinzuhorchen, was ihm sein Körper schon seit langem zu sagen versucht. Wahrzunehmen, was Grosses, Schweres sich hinter dem Nichts versteckt.  Es ist:

Zu wenig Schlaf.

Zu viel Sorgen.

Zu viel unerlöstes Leben.

Also wusste der Mann, dass er dringend einen Zacken zurückschrauben musste. Den Gang seines Alltags bremsen, gelassener werden, und weniger zweifeln, und einfach mal geschehen lassen. 

Sich weniger sorgen. 

Und akzeptieren, dass man nicht alles kontrollieren kann.
Es dauerte nur wenige Tage, nun ist ihm wieder wohl. Die Sorgen scheinen wie weggeblasen, die Stimmung aufgehellt, als wäre zäher Winternebel von der hohen Sonne weggefressen worden.
Wenn der Mann jetzt auf seinen Körper hört, spürt er wieder Kraft und Freude. Manchmal ertappt er sich sogar, wie er lächelt ob der Welt oder sogar ein kleines Liedchen pfeift.
Wie wunderbar gut dieses neue Medikament doch wirkt, denkt der Mann. Und wie schnell es angeschlagen hat.

Remotiv 800 mg.

Pro Tag.
























"Gefallen dir diese Geschichten? Dann vernetzte dich mit diesem Blog. Bitte sende den Link auch an deine Freunde, damit auch sie Teil dieser Bloggemeinschaft werden können."

Mann küsst Frau

Der Mann küsst eine Frau. Seine Frau. Diese eine ganz bestimmte Frau, die er liebt, ewig lieben wird.
Der Kuss ist zärtlich, kommt fast zögernd, zaghaft. Es ist eine leise Annäherung zweier Menschen im Kuss, wie eine Welle die von weit her kommt. Sie baut sich auf noch weit vor dem Strand, wächst unaufhaltsam, wird drohend, mächtig, überschlägt sich schäumend.
Der Mann spürt den Kuss als völlige Hingabe an das andere, die andere, an die eine Frau, für die er ewig da ist.
Es dauert nur einen Moment, dann schiesst die Welle weiter vorwärts, läuft auf den Strand, in der Kraft bereits gebrochen.
Dann ist sie ausgelaufen, steht zögernd still für einen Moment und zieht sich schon zurück, auch zögerlich zuerst. Doch unbeirrt und unaufhaltsam rutscht sie weg, vermischt sich wieder mit diesem weiten dunklen Meer.

Es ist vorbei.

Der Mann steht am Bahnhof Basel SBB und berührt seine Lippen. Der Kuss, die Welle hatte ihn überrascht. Sie war gekommen - einfach so. Noch bevor er sie festhalten konnte, ist die Erinnerung schon vorbei, wie es war, als er mit der Liebe seines Lebens zusammen war. Nun, viele Jahre später, mehr, als er je mit ihr zusammen war, sind es nur noch splittrige Erinnerung an eine verflossene Liebe. Sie überfallen ihn.

Manchmal.

Einfach so.
















"Gefallen dir diese Geschichten? Dann klicke bitte auf den Facebook-Knopf, und empfehle so diese Geschichten deinen Freunden. Merci."

Mann küsst Mann

Der Mann küsst einen Mann. Es ist erregend, zärtlich, freundschaftlich, feierlich und einfach schön.
Schön ist es, weil es einzigartig ist. Der Mann tut das zum ersten Mal. Immer wieder hatte er gesehen, wie Männer sich küssten, aber nun tut er es selbst. Er hat gehofft, dass es ihm gefallen wird, doch nun ist er überrascht.
Überrascht ist er von seinen warmherzigen Gefühlen, aber auch von den Bartstoppeln, als er den Mann umarmt und ihn eigentlich nur drücken will. Sie kratzen seine feine gepflegte Wange wie die erbärmlichen Überreste einer über Jahrhunderte abgeschliffenen Metallbürste. Da nützt alle Biotherm Homme Extra Hydratante und Gucci Skin Control nichts mehr.
Aber es ist nicht vorbei für den Mann. Der Andere hat vielleicht den zarten Hauch seines Versace Eau-de-Toilettes wahrgenommen und will mehr - mehr! Er zieht den überraschten Mann von seiner Backe weg und zu sich hin und drückt ihm seine feuchten Lippen auf den Mund.
Der Mann, der zum ersten Mal einen Mann küsst, reisst die Augen auf und sieht in die Augen des anderen. Gross sind sie und freundschaftlich und freudig, die Pupillen hinter zartem Schimmer fast schon schwarz. Es ist, als würde eine abgestorbene Sonne am Horizont versinken.
Der Andere stösst den Überraschten ab und lacht und sagt etwas und es ist kratzendes Kauderwelsch und kaum zu verstehen aber irgendwann kommt ein „Kakosi“ über die Lippen des Urgroßvaters aus Serbien, der den Mann begrüßt hat, wie er alle Gäste begrüßt in seiner Stube, dort hinten in Südserbien, wenn Gäste kommen und er sie immer fragt: „Wie geht es dir?“


Miodrag.


90 Jahre.


Kommunist.


















 
"Gefallen dir diese Geschichten? Dann vernetzte dich mit diesem Blog. Bitte sende den Link auch an deine Freunde, damit auch sie Teil dieser Bloggemeinschaft werden können."

Anleitung zum sinnvollen Leben

Der Mann ist vollends k.o. Er ist erschöpft, depressiv, geknickt, kraftlos und hoffnungslos. Er kämpft einen sinnlosen Kampf.
Sinnlos ist der Kampf, weil der Mann keinen Sinn mehr sieht. So viel zu schaffen, so viel zu machen und so wenig Zeit und Geld und Kraft.

Eine kleine Hoffnung bleibt.

Dass alles plötzlich gut ist - oder vorbei. Beides ist gleich unwahrscheinlich. 
Der Mann spielt kein Lotto für Geld und er spielt auch kein Lotto mit seinem Leben, um einen schnellen Kick zu erhalten. Er will einfach nur leben und schaffen und gestalten und Sich-auch-einmal-freuen-können.

Was tun?

Weiterleben. Die Gedanken an das unverhoffte Glück ausleben, ohne daran zu verzweifeln. Die Gedanken an das alles Erlösende Sich-einfach-vor-den-Zug-legen zur Seite schieben, aktiv bekämpfen mit einem Spaziergang, einem Getränk auf der sonnigen Terrasse, einem Blick an den Horizont, einem grossen Croissant am Morgen, einem Die-Augen-zumachen-und-für-einmal-einfach-sein.

Einfach einmal leben.

Einfach.



Einmal.
























"Gefallen dir diese Geschichten? Dann bitte klick den Facebook-Knopf oben rechts, um deine Freunde über diese Geschichten zu informieren. Danke."
Es ist ein Fehler bei diesem Gadget aufgetreten.