Die Welt ist hart ist gut

Der Mann hat ewig lange geschlafen. Nun steigt er in die neue Woche wie in einen kalten feuchten Schlafsack.
Das Aufstehen macht Mühe. Die Beine sind lahm, kommen gegen die dicke Wattierung kaum an, verheddern sich im Sack. Die Arme sind schwer, eingezwängt im zu engen Kleid.
Das Gesicht ist zu. Augen, Mund geschlossen. Nur die Nase saugt wimmernd kühle Luft ein, begräbt sie knapp in der Lunge, stösst sie kaum erwärmt wieder aus.
„Ich bin Teil im Ganzen“, denkt der Mann. „Ein Atom im Kosmos.“
„Nicht ganz“, antwortet jemand.
„Hhm“, denkt der Mann, atmet endlich stärker ein, atmet aus. Schliesslich geht er stakelig in die Küche, lässt sich auf einen Stuhl fallen. 
 Dann denkt er nach. „Was meinst du ganz genau?“
Der Andere sagt es ihm. „Wir sind Menschen, ja?“
Der Mann nickt.
„Wir sind Teil des Kosmos.“
Der Mann bestätigt auch das.
„Und dennoch ist nicht alles eins. Es gibt ein Aussen und ein Innen.“
Der Mann hebt den Kopf, hält ihn schräg.
„Das Aussen ist immer da. Meist ist es Sturm und Not, Gewalt und Regen, Schnee.“

Schneesturm in New York, 1992

       „Krieg.“
„Ja, Krieg.“
„Die Welt ist einfach hart ...“
„Nun, da irrst du dich eben“, sagt die Stimme und fährt schnell fort. „Die Welt aussen ist so, wie sie eben ist, aber nur du machst sie zu dem, was sie für dich ist.“
„Aussen und Innen“, denkt der Mann dumpf. Dann begreift er. „Die Welt wird von mir selbst gemacht. Ich mache sie zu dem, wie ich sie empfinde.“
„Und noch was …“
Der Mann hört nicht mehr hin. Er hat begriffen jetzt. „Mein Innen ist völlig unabhängig von der Welt aussen. Ich bin ein Mensch und mein Innerstes ist letztlich unberührt von der Welt.“
„Du stehst zwar im Austausch mit der …“
„Ja, ich stehe im Austausch mit der Welt. Aber mein Innerstes, mein Wesen an sich, wird durch die Welt da draussen nicht verändert. Ich bin ich.“
„Bravo“, lobt die Stimme noch, aber der Mann hört schon nicht mehr. Er sitzt das erste Mal seit ewigen Zeiten mit einem Lächeln im Gesicht da. 

Dann macht er Kaffee.

Dann trinkt er Kaffee.

Dann steht er auf.


Ein wenig leichter.




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