Männer aus Stein

 
Der Mann ist auf dem Friedhof. Er besucht seinen Vater.
„Wie geht es dir?“
„Wie soll es mir schon gehen? Ich bin tot.“
„Seit acht Jahren schon.“
„Steht drauf auf dem Grabstein. Ich wette, du wusstest den Tag nicht mehr.“
Im Juli war es, denkt der Mann. Am Ersten, glaubt er.
„Am 15. war’s.“
„Okay. Von mir aus. Ich wusste, dass es etwas Rundes war.“
„Der 15? Ein rundes Datum?“
„Für mich schon, irgendwie. Der Erste und der Letzte eines Monats. Anfang und Ende des Monats. Nun ist es eben genau die Mitte.
„Darum hast du auch den Juli gewusst. Weil es die Mitte des Jahres ist.“
„Nicht deswegen, oder nicht nur. Ich erinnere mich, dass es Sommer war. Ich war noch schwimmen und es war unglaublich heiss.“
„Das hätte auch August sein können.“
„Es war Juli.“
„Hhm.“
„Wie geht es dir?“
„Wie soll es mir schon gehen. Ich bin tot.“
„Hhm.“
„Wie geht es Mutter?“
„Ich glaube gut.“
„Manchmal ist sie hier.“
„Ach ja?“
„Dann erzählt sie von dir.“
„Nein, bitte nicht.“
„Was zierst du dich? Willst du nicht hören, was sie sagt?“
„Nein, ich möchte nicht. Lass gut sein. Ich weiss schon, dass ich zuwenig zu ihr schaue.“
„Hhm.“
„Hhm.“

Später, als er geht, rückt der Mann, der Sohn, ein Gebinde zurecht, verabschiedet sich.
Der Vater schaut ihm kaum nach, ist wieder Stein.

























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