Frauen aus Stein

Der Mann trinkt Espresso. Mit klammen Fingern hebt er das Tässchen. Draussen war es bitterkalt. Den Schal hat er gleich anbehalten.
Der Mann stellt das Tässchen wieder ab. Er schliesst die Augen. Jetzt hört er zwei Frauen reden. Sie sitzen hinter ihm, er hat sie noch gar nicht wahrgenommen. Doch wie die Frauen reden, sieht er ein klares Bild von ihnen.
Sie reden:
„Der Arzt sagt…“
„Wie lange hat er das schon.“
„Das Blut ist gut, die Lunge ist gut, der Magen ist gut, alles ist gut.
„Nur nicht ins Spital, das wäre schlimm.“
„Dann, sagte der Arzt zu ihm, er müsse zu einem Spezialisten, sofort.
„Im Spital kommt man nicht mehr raus.“
„Nein, sagte er, er könne nicht, er müsse jetzt zwei Wochen in die Ferien.“
„Man kann es anschauen, wie man will.
„Wegen ihm, vielleicht hat er gesagt ...“
„Man weiss es nicht ...“
Der Mann macht die Augen wieder auf. Er hat immer noch kalt. Er nimmt den nächsten Schluck, behält den Henkel um seinen Finger gewickelt.
„Nein, das mach’ in nicht.“
„Das ist nur hinauszögern.“
„Es gibt auch Leute, die …“
„Wenn es zum Beispiel ein Brustkrebs …“
„Die Sonja hat Brustkrebs gehabt …“
„Die Monika …“
„Sie musste Tabletten nehmen und bestrahlen.“
„Es ist alles gut.“
„Ja, so kommt es.“
„Die musste auch Tabletten nehmen.
„Sie ist ja ausgezogen. Sie wohnt jetzt …“
„Ein Freund?“
„Alleine ..“
„Dann hat sie gesagt, sie melde sich, wenn sie gezügelt ist."
„Du, ich habe jetzt gedacht, bei René …“
„Walter habe ich gesagt, Walter…“
Der Mann reibt sich die Hände. Sie wollen nicht warm werden. Drinnen ist es genau so kalt wie draussen.
























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