Vorher Leben Nachher

Der Mann liegt matt im Sofa und schaut DVD. 11 Stunden lang hat er schon geschaut. Eine Serie über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Jetzt dreht sich die letzte Disc im Gerät. Die Schlusssequenz ist bereits vorbei, der Abspann zieht sich hin. Der Mann sinniert.
Ein schrecklicher Krieg war das. 600'000 Tote, die ganze Nation tief gespalten. Nord gegen Süd. Kämpfe in allen Orten. Kleine Scharmützel, große Schlachten, sinnloses Gemetzel ohne Ende, vier Jahre lang. Ein Land mit offenen Wunden übersäht, die eiterten und nur langsam vernarbten.
Der Mann ist beeindruckt von der Historie. Dieser Krieg war eine beinahe tödliche Zäsur für die Nation. Der Erzähler erklärte es so: Der Krieg teilte die USA in ein Vorher und ein Nachher.
Der Mann denkt nach. Schlimme Ereignisse teilen die Welt immer ein in ein Vorher und ein Nachher.

Hiroshima.

Fukushima.

Auch in seinem Leben gibt es eine übermächtige Katastrophe. Er kann sie ganz genau benennen. Es ist der Verlust seiner einzigen, seiner ewigen Liebe. Die scheidet das Vorher vom Nachher.
 Vorher. Das war, als er mit ihr zusammen war. Mit seiner grossen Liebe. Mit Ihr. Mit Maja.
Und das Nachher. Sein Leben nachdem sie ihn verlassen hat.
Sein Körper ist verletzt, weil seine Seele tief verwundet ist. Seine ganze Welt in Scherben. Die Heilung geschieht nur langsam, wenn überhaupt. Vorher, da war er glücklich.

Und jetzt?

Ein altes, verwittertes, kaputtes, verlassenes Haus. Einsturzgefährdet.

Ob sich eine Renovation überhaupt noch lohnt?




New York Times: "Gunman kills ...", 1994






















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