Erinnerung an eine Erinnerung einer Erinnerung

Der Mann gibt wieder Schule, lehrt andere Spezialisten das eigene Handwerk. Es ist anständiges Geld, das er verdient. Und doch ist es brutal harte Arbeit.
Nicht die Arbeit an sich ist es, die ihm Mühe macht. Was er den Teilnehmern erzählt, kann er auswendig herunterbeten. Es ist diese schreckliche Nähe zu dieser einen neuen Frau, die ihm alle Energie abverlangt.

Diese Frau.

Es ist diese ewige Frau, von der er nicht loslassen kann. Diese ewig junge Frau. Seine langjährige Geliebte, viel zu früh verabschiedet.
Diese neue Teilnehmerin im Kurs, nun, er kennt sie nicht. Nur wenige Minuten ist sie da und doch ist sein ganzer Geist auf diese Person gerichtet. Ihre Bewegungen, ihr Gesicht, ihre Haare in ihrem Gesicht, diese einzelne vorwitzige Strähne, die kurvig über das linke Auge geht und mahagonifarben die dunkle Pupille verziert.
Warum streicht sie die Strähne nicht aus dem Gesicht?, fragt sich der Mann. Er wartet und kann es kaum aushalten. Du streichst dir doch immer die Strähne aus dem Gesicht, elegant und hart zugleich, selbstbewusst und doch auch zärtlich zu dir selbst. Warum streichst du die Strähne jetzt nicht weg? 
Der Mann kann nicht loslassen, muss schauen, er bittet, fleht schon beinahe, sie möge ihr Haar bewegen, weil er nicht aushalten kann, dass diese Frau nicht tut, was sie immer tut. 
Warum bist du heute so anders, fragt er sich und weiss die Antwort doch selbst. Weil es nicht seine Freundin ist, nur eine Teilnehmerin eines Kurses, die einer anderen Teilnehmerin gleicht, die früher einmal in seinem Kurs war. Eine Erinnerung an jemanden, der ihn an seine grosse Liebe erinnert hatte.
Der Mann schaut genau hin.
Dunkle Haare, schulterlang. Das Gesicht rund, aber nicht mondmässig rund, sondern balanciert oval. Das Gesicht fröhlich, wunderschöne volle Lippen, die Haut rein mit vorwitzigen Flecken welche die perfekte Harmonie brechen und umso mehr Schönheit ausstrahlen.
So hatte auch diese andere Teilnehmerin ausgesehen. Das Gesicht war ähnlich, die Haare leicht stärker gewellt. Sie hat seiner alten Liebe so noch mehr geähnelt.
Alle drei Frauen haben viel gemeinsam und ähneln sich stark. Insgesamt ergeben sie das Muster einer unerreichten, unwirklichen Schönheit. 

Mit einer Ausnahme vielleicht.
Zusammen sehen sie aus, wie seine Mutter mit 28 aussah.
  





















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